Europäische Krankenversicherung führt nicht ohne Weiteres in die GKV

Die so genannte Europäische Krankenversicherung (EUKV) ist eine private Krankenversicherung und als solche in der Regel als substitutive Krankenversicherung nicht anerkannt und entspricht nicht den Anforderungen an die in Deutschland geltende Krankenversicherungspflicht.

Abgesehen davon führt der Wechsel in eine substitutive Krankenversicherung nicht dazu, dass die Voraussetzungen für eine Rückführung in die deutsche GKV erfüllt werden. Für viele ist eine letztendliche Mitgliedschaft in der deutschen gesetzlichen Krankenkasse jedoch wichtig.

Denn viele, die aus der Privaten Krankenversicherung raus wollen, waren vor dem Eintritt in die Private Krankenversicherung bereits gesetzlich versichert und ihnen ist das System der gesetzlichen Krankenkasse vertraut. Zudem lassen sich hier am ehesten langfristig kalkulierbare Beiträge einschätzen. Und die künftige Beitragslast wird an den eigenen finanziellen Möglichkeiten ausgerichtet, was eine etwaige Überforderung bei der Zahlung der Beiträge ausschließen lässt.

Die Voraussetzungen für eine Rückkehr in die deutsche gesetzliche Krankenkasse werden in der Regel nur erfüllt, wenn bereits eine Pflichtversicherung über ununterbrochen mindestens zwölf Monate besteht, aus welcher Personen (auch über 55 Jahre) dann in die deutsche Krankenkasse beitreten können.

Über die Pflichtversicherung zurück in die Gesetzliche Krankenkasse

Rückkehr in die GKV über 55 Jahre

Europäisches Recht ermöglicht Rückkehr in die deutsche GKV: Wer einer Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beitreten darf, ist im deutschen Sozialversicherungsrecht genau geregelt.

Hieraus ergibt sich, dass über eine Pflichtversicherung auf der Grundlage von europäischem Recht die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung gestaltet werden können. 

Essentiell ist dabei, dass die Mindestversicherungsdauer von zwölf Monaten beachtet wird und dass der Eintritt in die Pflichtversicherung nach den entsprechenden Regelungen des Geltungsgebiets erfolgt. Dies wird durch die anwaltliche Begleitung und langjährige Erfahrung unserer Experten sichergestellt.

Rückkehr in die GKV aus einer Pflichtversicherung (gesetzlichen Krankenversicherung)

Ein Beitritt in die deutsche GKV ist möglich, wenn die betreffene Person aus einer Pflichtversicherung kommt, in welcher sie ununterbrochen mindestens zwölf Monate versichert war. Diese Pflichtversicherung muss unmittelbar vor dem Beitritt in die deutsche GKV bestanden haben.

Nur in Deutschland gibt es Regelungen bezüglich einer willkürlichen Altersgrenze von 55 Jahren bezüglich eines Wechsels von der Privaten Krankenversicherung in die (gesetzliche) Pflichtversicherung. Durch den Eintritt in eine Pflichtversicherung auf der Grundlage von rechtlichen Regelungen außerhalb Deutschlands finden die Restriktionen bezüglich dieser Altersgrenze keine Anwendung.

Auszug aus den Regelungen zur freiwilligen Mitgliedschaft in der GKV nach Sozialgesetzbuch V (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 SGB V):
 

(1) Der Versicherung beitreten können: 

1. Personen, die als Mitglieder aus der Versicherungspflicht ausgeschieden sind und (...) unmittelbar vor dem Ausscheiden ununterbrochen mindestens zwölf Monate versichert waren. (...)

Wir unterstützen Sie dabei, dass die notwendigen Voraussetzungen nach Sozialgesetzbuch V erfüllt werden, mit denen Sie dann altersunabhängig und rechtssicher in die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wechseln können.

Die durchschnittliche Amortisationszeit für einen Wechsel von der PKV in die GKV über eine Pflichtversicherung beträgt zwischen 24 und 30 Monaten und häufig zu dauerhaft günstigen Beiträgen im Alter.

Wie hoch ist der Beitrag nach Rückkehr in die GKV?

Der Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung nach Rückführung ins deutsche Krankenversicherungssystem wird nach der Höhe der tatsächlichen Einkünfte bestimmt.

Selbstverständlich ermitteln wir im Zuge unserer Beratung, wie hoch Ihr voraussichtlicher Beitrag sein wird und ob ein Wechsel in die GKV wirtschaftlich sinnvoll ist.

Viele betroffene Personen zahlen nach Rückführung in die Gesetzliche Krankenkasse den Mindestbeitrag (gut 200 Euro monatlich für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung)

Sie möchten wissen, ob sich ein Wechsel in die GKV auch für Sie lohnt? Wir erstellen Ihnen gerne eine Prognose Ihrer voraussichtlichen Beitragshöhe in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. 

  • In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung gilt für die freiwillige Mitgliedschaft eine Mindestbemessung (2022: 1.096,67 Euro monatlich). Daraus ergibt sich ein Beitrag von gut 200 Euro monatlich (je nach Zusatzbeitragssatz der Krankenkasse).
  • In der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist der Beitrag in der Höhe gedeckelt. Hier werden Beiträge zu einem bestimmten Beitragssatz nur bis zur so genannten Beitragsbemessungsgrenze (BBG) erhoben (2022: 58.050 Euro p. a.).
  • Für freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung ist das zu versteuernde Einkommen für die Beitragsfestsetzung maßgeblich. Sonderausgaben werden also berücksichtigt. Alterseinkünfte aus Rentenzahlungen werden nur teilweise verbeitragt. Für Altersrenten aus der gesetzlichen Rentenkasse, aus der berufsständischen Versorgung und so genannten Rürup Verträgen ist der Rentenbeginn entscheidend. Bei privaten Leibrenten (aus Verträgen der privaten Rentenversicherung) wird nur der Ertragsanteil berücksichtigt (z. B. bei Rentenbeginn mit Alter 65 Jahre: 18% der gezahlten Rente). Mehr zur Beitragsfestsetzung für Mitglieder, die freiwillig gesetzlich versichert sind.
  • Bei Zahlungsverzug von mehr als einem Monatsbeitrag erfolgt eine Umstellung in den so genannten Notlagentarif (NTL). Der Versicherungsschutz ist dann ganz erheblich eingeschränkt, eine ordentliche medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet. Während dieser Zeit wird dann ein geringerer Beitrag erhoben. Zudem bleibt der Beitrag zur Privaten Pflege-Pflichtversicherung (PVN) zahlungspflichtig. Ein Zahlungsverzug stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einem Bußgeld von bis zu 2.500 Euro belegt werden. Wenn die Einkünfte im Alter nicht ausreichen, um etwa die Beiträge zur PKV zu bezahlen, kann Grundsicherung beantragt werden, wenn das eigene Vermögen bis auf ein bestimmtes Schonvermögen vollständig aufgebraucht wurde und entsprechende finanzielle Bedürftigkeit vorliegt. Dann erfolgt in der Regel eine Umstellung in den so genannten Basistarif (BTN). Der Grundsicherungsträger übernimmt dann die Hälfte des PKV-Beitrags.
  • Bei Zahlungsverzug erfolgt die Umstellung in den Notlagentarif (NTL). Hier ist die versicherte Versorgung deutlich eingeschränkt. Der Beitrag Pflegepflichtversicherung muss dagegen ununterbrochen fortgezahlt werden. Ein Zahlungsverzug in der Pflegepflichtversicherung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld bis zu 2.500 Euro geahndet. Versicherer melden einen Zahlungsverzug in der Pflegepflichtversicherung an die zuständige Landesbehörde, die in der Regel dann ein Ermittlungsverfahren einleitet. Wenn die Einkünfte im Alter – etwa aufgrund des hohen PKV-Beitrags – nicht zur Deckung der Kosten ausreichen, muss zunächst das eigene Vermögen (bis zu einem definierten Schonvermögen) vollständig aufgebraucht werden. Erst dann kann Grundsicherung beantragt werden. In der Regel erfolgt dann eine Aufstockung der eigenen gesetzlichen Rente. Mit der Bewilligung der Grundsicherung erfolgt in der Regel eine Umstellung im PKV-Vertrag auf den Basistarif. Dies ist in der Regel mit starken Leistungseinbußen verbunden. Dafür übernimmt der Grundsicherungsträger dann die Hälfte des Beitrags. Der Beitrag zum Basistarif ist in der Höhe deckelt auf den Höchstbeitrag der GKV (wenn beide Ehepartner im Basistarif versichert werden auf das 1,5-fache des Höchstbetrags). Anders als ordentliche PKV-Tarife gibt es hier also eine Höchstgrenze beim monatlichen Beitrag. Mit einem altersunabhängigen Wechsel in GKV kann möglicherweise die Gefahr der finanziellen Bedürftigkeit (Grundsicherung) und der mit erheblichen Nachteilen verbundene Wechsel in den Basistarif abgewendet werden, wenn der Versicherte rechtzeitig handelt.
  • Die Altersgrenze von 55 Jahren spielt für Selbständige und Freiberufler praktisch keine Rolle. Etwaige Konstrukte, eine Sozialversicherungspflicht im eigenen Unternehmen gestalten zu wollen, sind kritisch zu prüfen. Es gibt jedoch altersunabhängige Alternativen, die ohne Auswirkungen auf das Unternehmen und bzw. oder die Eigentümerstruktur gestaltet werden können. Häufig wird angenommen, dass ein Wechsel in die GKV bis 55 erfolgt sein muss. Oftmals ist ein Wechsel von der PKV in die GKV aus wirtschaftlicher erst zum Rentenbeginn zu empfehlen.
  • Für Arbeitnehmer kann der Weg in die Pflichtversicherung der GKV erfolgen, wenn vor dem 55. Geburtstag eine Einkommensreduzierung vorgenommen wird auf ein Jahresbruttogehalt von max. 64.350 Euro bzw. für seit vor 2003 Privatversicherte 58.050 Euro – Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) bzw. so genannte Beondere JAEG. Die Werte beziehen sind auf das Jahr 2022. Hierzu muss eine entsprechende Vereinbarung mit dem Arbeitgeber erfolgen oder ggf. ein Arbeitgeberwechsel. 
  • Die Beitragshöhe in der Privaten Krankenversicherung richtet sich nach dem Mittelbedarf des Versicherers für den jeweiligen Tarif und die darin versicherten Kunden. Es gibt keine Relation zum tatsächlichen Einkommen. Weil unter anderem die tatsächliche Lebenserwartung heute höher ist, also bei Auflage vieler PKV-Tarife vor vielen Jahren bzw. Jahrzehnten angenommen und kalkuliert wurde, ergeben sich Beitragssteierungen. Für steigende Beiträge im Alter gibt es weitere Ursachen. 
  • Unter bestimmten Umständen können sich Privatversicherte beitragsfrei beim Ehepartner in dessen gesetzlicher Krankenversicherung mitversichern lassen. Dies ist also dann möglich, wenn die privatversicherte Person verheiratet ist und der Ehepartner gesetzlich krankenversichert ist. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die eigenen Einkünfte (also der privatversicherten Person) maximal 470 Euro betragen. Weitere Informationen zur Familienversicherung in der GKV.
  • Beim Wechsel eines Elternteils von der Privaten in die Gesetzliche Krankenversicherung können Kinder unmittelbar in der gesetzlichen Krankenkasse des weiteren Elternteils (beitragsfrei im Rahmen der so genannten Familienversicherung der GKV) mitversichert werden. Voraussetzung ist, dass das andere Elternteil gesetzlich krankenversichert ist.
  • Ein Wechsel der Krankenversicherung vom privaten ins gesetzliche System bedarf bestimmter Voraussetzungen – etwa durch die Nutzung von europäischem Recht – und sollte professionell begleitet werden. 
  • Ein Anbieter-Wechsel innerhalb der Privaten Krankenversicherung führt nur selten zu einer Beitragsreduzierung und dann häufig auch nur unter erheblichen Leistungseinbußen. Zudem verlieren langjährige PKV-Kunden (soweit sie beim ursprünglichen Versicherer seit vor 2009 versichert waren) ihre Alterungsrückstellungen. Zudem sind umfassende Gesundheitsangaben erforderlich. 
  • Nach erfolgreicher Rückführung in die Gesetzliche Krankenversicherung kann nach zwölf Monaten ein Kassenwechsel innerhalb der GKV erfolgen. Die wesentlichen Leistungen der Kassen sind gesetzlich normiert. Die Eigenschaften der gesetzlichen Kassen unterscheiden sich in eher gerinem Umfang durch unterschiedliche Zusatzleistungen und unterschiedliche individuelle Zusatzbeitragssätze.
  • Alternativ zum Wechsel in die GKV kann eine Umstellung in den so genannten Standardtarif (STN) der PKV erfolgen, wenn die versicherte Person seit vor 2009 beim aktuellen Anbieter privat krankenversichert und in einem Tarif der so genannten alten Welt versichert ist. Standardtarif und Basistarif sind bei Ärzten unbeliebt. Ein Wechsel in die GKV ist daher in vielen Fällen  wirtschaftlich und in weiterer Hinsicht vorteilhaft sein.

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